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Sie hat immer ein Lächeln im Gesicht, ist jung, hübsch und sympathisch. Das nette Mädel von nebenan halt. Doch wenn man genauer hinsieht, dann bemerkt man  schnell die Powerfrau hinter der 1,56m kleinen und zierlichen Fassade. Beruflich ist sie in einer Männerdomäne unterwegs, doch auch in der Freizeit gibt sie ordentlich Gas. Die Frau hat Willenskraft, die nötige Prise Humor und mentale Stärke. Das muss sie aber auch, denn Claudia hat sich vorgenommen im Herbst dem Manaslu aufs Haupt zu steigen. Ohne Träger. Ohne Support von einer Agentur. Nur mit ihren Teamkameraden und der eigenen Ausrüstung. Alpinstil.
Wie es dazu kam, warum sie sich das antut und wie sie sich dafür vorbereitet, wollten wir erfragen.

Wie bist du auf die Idee gekommen einen 8000er zu besteigen?

Die Leidenschaft für die Berge trag ich schon länger in mir. Und so, wie auch in allen anderen Lebensbereichen, ist man immer offen für neue Herausforderungen, die einem, passend zu den wachsenden Erfahrungen, auch wieder neue Aufgaben stellen.  Das Interesse fürs Höhenbergsteigen war auch schon früher da. Aber jetzt wo sich mir die Möglichkeit bietet, so ein Projekt, im Rahmen zum Teil vertrauter Teamkollegen, in Angriff zu nehmen, konnte ich nicht widerstehen. Es ist auch die Neugier und der Reiz, seinen Körper und Geist neuen Grenzen auszusetzten und auszuprobieren ob und wie weit es geht!

Wie wird die Tour im groben ablaufen? Ihr habt keine Träger und seid nur wenige Personen, gibt es bestimmte Arbeitsteilung?
Prinzipiell ist es so geplant, dass wir in Zweierteams arbeiten und somit nicht zwangsläufig von den anderen abhängig sind- jedoch gruppentechnisch sehr wohl zusammen helfen.  Allerdings ist dies alles von der Verfassung jedes einzelnen und den örtlichen Gegebenheiten abhängig. Die Pläne können sich daher immer sehr schnell ändern. Einer vom Ursprungsteam z.B. ist leider schon verletzungsbedingt ausgefallen.

Was sind die Erwartungen an die Mitbergsteiger. Welche Eigenschaften oder Fähigkeiten (abseits eines gewissen Know-Hows für diese Art von Bergsteigen) sollte ein Mitstreiter unbedingt mitbringen, welche wären ein No-go für potentielle Bergpartner?          
Ich persönlich finde es wichtig, dass der Egoismus (der für solche Aktivitäten in gewisser Weise vorhanden sein muss) nicht größer sein darf, als das menschliche Miteinander. Wenn der Gipfelsieg irgendwann wichtiger wird, als die Sicherheit und die Gesundheit, dann weiß ich, dass solche Menschen für mich als Bergpartner nicht in Frage kommen. Natürlich sollte man sich auch sympathisch sein. Wenn man 6 Wochen intensiv Zeit miteinander verbringt und seinem Zeltpartner sehr nahe kommt und intime Situationen miteinander erlebt, kann man sich nach einer Zeit schon auf die Nerven gehen. Da ist es wohl von Vorteil, wenn man sich von Haus aus gut versteht. Mike und ich verbringen zum Beispiel sehr gerne Zeit miteinander und lachen viel gemeinsam. Ich möchte mir mittlerweile gar nicht mehr vorstellen, mit jemand anderem als ihm, diese Zeit zu verbringen. 

Wenn der Gipfel aus einem, wie auch immer gearteten Umstand (Wetter, Zeit, etc) nicht erreicht werden könnte, würdest du es in ein paar Jahren noch einmal probieren?
Das mag ich jetzt nicht entscheiden. Einerseits bin ich ein Sturkopf und probiere etwas, in der Regel, so oft bis es klappt. Aber in diesem Fall, steckt so viel Aufwand dahinter, dass ich nicht weiß, ob es mir ein zweiter Versuch dann wert wäre. Denn es gibt noch so viele andere tolle Orte auf dieser Erde, die sehenswert wären und dann womöglich ein noch unentdecktes Urlaubsziel mehr Anziehung auf mich ausübt. Außerdem weiß man nie, was die Zukunft bringt und was sich bis dahin ereignet. ;-)

Hast du für diese Reise/Expedition Stoppunkte definiert, bei denen du sagen würdest, dass du den Gipfelanstieg nicht durchführen würdest? Wenn dir ein Gefühl sagt, es zu lassen oder du dich doch nicht fit genug fühlen würdest? Oder würdest du in jedem Fall einen Versuch wagen?
In diesem Fall geht Sicherheit und Gesundheit vor. Wenn es mir oder meinem Bergpartner nicht gut geht, z.B. Anzeichen der Höhenkrankheit auftreten, dann wollen wir den Aufstieg stoppen und wenn diesbezüglich keine Besserung in Sicht ist, absteigen. Ich bin sehr froh, darüber, dass Mike genauso vernünftig darüber denkt, wie ich. Ich möchte auch nicht, aus eigener Dummheit, den anderen die Chance auf den Gipfel nehmen. Denn bei dem Versuch von vor 2 Jahren, bei dem ich noch nicht dabei war, haben sich alle bei einer Rettungsaktion beteiligt und somit auf den Gipfel verzichtet.

Wie können wir uns das vorstellen: Wie trainiert ihr? Gibt es einen konkreten Plan, hast du Hilfe dabei oder gibt es da keine genaue Richtlinie?
Haha, eigentlich trainieren wir sehr nach Lust und Laune. Bis vor kurzem war ich arbeitstechnisch sehr eingesetzt und daher kam ich leider erst sehr spät dazu mein Trainingspensum zu steigern. Eine gewisse Grundkondition ist natürlich vorhanden, wenn Sport zum Alltag gehört.  Gleichzeitig hör ich auch auf meinem Körper und wenn es wo zwickt, gebe ich Ruhe bzw. steige auf schonendere Sportarten um. Erzwingen kann man nichts. Aber prinzipiell steht viel Ausdauertraining am Programm. Laufen, Berggehen (mit schweren Rucksäcken), Mountainbiken, Schwimmen…an den Wochenenden, wenn möglich Hochtouren bei uns in den Alpen,… Weiters habe ich mir von meinem Sportphysiotherapeuten gezielte Kräftigungsübungen geben lassen, die den Körper durch die Dauerbelastung des schweren Rucksacks stärken sollen. 

Wie viel Erfahrungen mit Höhenbergsteigen konntest du bisher sammeln? Welche Touren sollte man deiner Meinung nach vor dieser Herausforderung schon mal gemacht haben, um für einen 8000er gewappnet zu sein?
Mein höchster Punkt war bisher knapp unter 6000 Meter und dort verlief alles problemlos. Bergerfahrungen konnte ich bisher bei uns in den Alpen, in Afrika, im Kaukasus und in Südamerika sammeln.
Ich denke, dass es auch ganz drauf ankommt, um welchen 8000er es sich handelt. Technisch gesehen reichen unsere Kenntnisse für diesen Berg wohl aus. Das Verhalten des eigenen Körpers in solchen Höhen, kann man vorab nicht wirklich trainieren.  Ob die Akklimatisation vor Ort funktioniert, ist von so vielen Faktoren abhängig. Das wichtigste ist, dass man langsam an Höhe gewinnt, viel trinkt und Glück hat, gesund zu bleiben.

Ein 8000er ist keine leichte Sache, da gehört abseits von Fitness und Know-How auch eine ordentliche Prise Leidensfähigkeit und Wille dazu. Was würdest du sagen, sind deine persönlichen Stärken, die du für so eine Tour mitbringst?
Bei mir ist mit Sicherheit der Kopf das Stärkste. Wobei ich denke, dass ich dort auch an Grenzen gebracht werde, die für mich Neuland sein werden. Ich bin schon sehr gespannt.

Du hast ja auch eine eher kleine Schuhgröße, bist zierlich gebaut: Wie schwer war es die nötige Ausrüstung in passenden Größen aufzutreiben?
Es ist eine furchtbare Materialschlacht! Zum Glück ist die Ausrüstungsbeschaffung größtenteils abgeschlossen. Wenn man besonders kleine oder große Füße hat, fallen einige Modelle von Expeditionsschuhen schon mal im Vorhinein weg. Die Auswahl ist bescheiden und man muss sich gegebenenfalls mit Improvisationen weiterhelfen… mit Einlagen, Klebeteilen tricksen, etc… Ich bin jedoch sehr froh darüber einen Verkäufer meines Vertrauens zu haben, bei dem ich mich gut aufgehoben fühle und sogar die vielzähligen Shoppingtermine Spass machen.

Was wirst du im Basecamp vermissen?
Das mittlerweile wichtigste hab ich mit! Und daher werden sich die Entbehrungen hoffentlich in Grenzen halten. Meine  engeren Freunde und Verwandte werden mir mit Sicherheit abgehen. Aber ich schätze, dass die sich in dieser Situation mehr Gedanken machen werden. Und ich könnte mir vorstellen, dass die erste Dusche nach der Tour auch sehr befriedigend sein wird.

Wie ist das für einen Normalmenschen eigentlich leistbar?
Für mich waren die Prioritäten immer klar gesteckt. Wichtig waren immer Reisen, Abenteuer, existenzielle Sachen wie Wohnung,…  . Aber ich hatte nie eine Affinität zu Luxusgütern. Ich besitze nicht mal einen Fernseher. Meine Wohnung habe ich mühesamst selber renoviert. Shopping und prestigeträchtige Artikel haben mich nie interessiert. Das ist sozusagen mal der Baustein für solch aufwendige Aktivitäten.
Außerdem möchte ich mich bei „Alles Sport“ bedanken, die uns sehr großzügig unterstützen und uns dieses Unternehmen erleichtern.

Wir danken Claudia für die ehrlichen Worte, freuen uns auf weitere gemeinsame Trainingstouren und sind soooo gepannt, wie die Expedition verläuft und drücken unserer Höhenbergsteigerin die Daumen. Das Schönste wäre, wenn wir im Herbst über einen Gipfelerfolg berichten könnten!



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Zieht es euch auf die hohen Berge? Warum üben hohe Berge so einen großen Reiz auf uns aus?

Wollt ihr wissen, wie es Claudia im Basecamp geht, wie die Vorbereitungstouren aussehen oder ob sie es schlussendlich auf den Gipfel schafft?